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Berlin | Am Mittwochabend gegen 20.45 Uhr begann die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot damit, ein Haus in der Rigaer Straße 94 im Bezirk Friedrichshain zu durchsuchen. Insgesamt rund 200 Einsatzkräfte von SEK, BFZ ( Beweissicherungs- und Festnahmezug) und Technischer Einsatzkräfte verschafften sich von allen Seiten Zugriff zu dem verbarrikadierten Haus, welches offiziell als „alternatives Wohnprojekt“ gilt und von Linksautonomen bewohnt wird. Weitere 300 Einsatzkräfte der Bereitschaftpolizei mussten rund um die Rigaer- / Liebig- und Zellestraße Absperrmaßnahmen treffen, um linksautonome Sympathisanten fern zu halten. Aus einem benachbarten Wohnhaus an der Rigaer drang bis in die Nacht lautstarke Punkmusik.

Polizeibeamte vor dem Haus an der Rigaer Str. am Mittwochabend | Foto: © Tomas Moll
Polizeibeamte vor dem Haus an der Rigaer Str. am Mittwochabend | Foto: © Tomas Moll

Das Haus in der Rigaer Straße 94 im sogenannten „Nordkiez“ (Samariterviertel) ist ein aus einer illegalen Hausbesetzung entstandenes Wohnprojekt, das als eines der letzten Häuser in Berlin zu großen Teilen auch heute noch besetzt ist. Immer wieder kommt es rund um die Rigaer Straße zu feigen Angriffen auf Polizeibeamte.

So auch wieder am gestrigen Mittwoch, während Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt in der Direktion 5 neue Sicherheitsfolien für EWA vorstellen, kommt es fast zeitgleich zu einem Angriff auf einen Polizisten in der Rigaer. Gegen 12 Uhr ist ein 52-jähriger Kontaktbereichsbeamter allein in ’seiner‘ Community unterwegs, um Bürgergespräche mit Anwohnern und Geschäftsleuten zu führen, als ihm ein Falschparker auffällt. Während der Polizeibeamte die Ordnungswidrigkeit ahndete, kam ein vermummter Mann auf ihn zu und beleidigte ihn. Als der Polizist die Identität des Mannes feststellen wollte, kamen zwei weitere männliche und eine weibliche Person auf den Beamten zu und stießen ihn zu Boden. Dabei sollen die Verdächtigen gesagt haben: „Verschwinde hier, die Rigaer Straße ist unser Gebiet„. Im weiteren Verlauf schlugen und traten die Beschuldigten auf den 52-jährigen Beamten ein. Dieser wurde durch den Angriff verletzt, veblieb jedoch auf eigenen Wunsch im Dienst.

Die Polizei Berlin durchsuchte am 13.01.2016 in der Rigaer Straße mit einem Großaufgebot ein Wohnhaus der linksextremen Szene, um gefährliche Gegenstände aufzufinden. Foto: © Tomas Moll
Die Polizei Berlin durchsuchte am 13.01.2016 in der Rigaer Straße mit einem Großaufgebot ein Wohnhaus der linksextremen Szene, um gefährliche Gegenstände aufzufinden. Foto: © Tomas Moll

Aufruf via Twitter

Bereits wenige Stunden nach dem Angriff auf den Polizeibeamten schrieben linke Sympathisanten auf der Plattform Indymedia, ‚Keine Ahnung warum ein einzelner Cop Mutterseelenalleine durch den Nordkiez schländert. Muss sich auch nicht wundern wenn er auf die Mütze kricht…

Zeitgleich wurde über einen Tweet bei Twitter zur Unterstzüng aufgerufen:

Diesem Aufruf kamen rund 40 Personen nach und versammelten sich vor dem Haus sowie weitere 40 rund um die Rigaer Straße. Als die eingesetzten Kräfte das Haus durchsuchen wollten, mussten sie Platzverweise aussprechen, denen nicht nachgekommen wurde. Dabei kam es zu Rangeleien und vereinzelten Identitätsfeststellungen.

Kurze Zeit später verschafften sich die Kräfte von allen Seiten Zugang zum verbarrikadierten Haus. Da Türen mit massiven Eisenriegeln verschlossen waren, wurden auch SEK-Beamte mittels Drehleiter auf dem Dach abgesetzt.

Mittels Drehleiter verschafften sich SEK Beamte auch Zutritt vom Dach des Hauses | Foto: © Tomas Moll
Mittels Drehleiter verschafften sich SEK Beamte auch Zutritt vom Dach des Hauses | Foto: © Tomas Moll

Bei dem großangelegtem Polizeieinsatz ging es nach Angaben von Polizeisprecher Stefan Redlich nicht darum, die Angreifer vom Nachmittag dort ausfindig zu machen. Der Einsatz diente vielmehr der Gefahrenabwehr. „Wir werden nicht dulden, dass es Rückzugsgebiete für Straftäter gibt. Wir entfernen die Barrikaden und durchsuchen die Häuser nach Gegenständen, mit denen Polizeibeamte attackiert werden können. Der Einsatz wird, wenn es sein muss, die ganze Nacht dauern„, so Redlich.

Die Polizei Berlin durchsuchte am 13.01.2016 in der Rigaer Straße mit einem Großaufgebot ein Wohnhaus der linksextremen Szene, um gefährliche Gegenstände aufzufinden. Foto: © Tomas Moll
Die Polizei Berlin durchsuchte am 13.01.2016 in der Rigaer Straße mit einem Großaufgebot ein Wohnhaus der linksextremen Szene, um gefährliche Gegenstände aufzufinden. Foto: © Tomas Moll

Mittels schweren Gerätes mussten sich die Polizisten Zugang zum Haus und Hinterhof verschaffen. Da keine konkreten Durchsuchungsbeschlüsse für einzelne Wohnungen vorlagen, konzentrierte sich der Einsatz vorallem auf die Treppenhäuser und Dachböden. Ob im Rahmen der Gefahrenabwehr auch einzelne Wohnungen durchsucht wurden, konnte Redlich aufgrund der laufenden Einsatzmaßnahmen auch in der späten Nacht noch nicht sagen.

Die Polizei Berlin durchsuchte am 13.01.2016 in der Rigaer Straße mit einem Großaufgebot ein Wohnhaus der linksextremen Szene, um gefährliche Gegenstände aufzufinden. Foto: © Tomas Moll
Die Polizei Berlin durchsuchte am 13.01.2016 in der Rigaer Straße mit einem Großaufgebot ein Wohnhaus der linksextremen Szene, um gefährliche Gegenstände aufzufinden. Foto: © Tomas Moll

Tritt zwischen die Beine

Während der polizeilichen Einsatzmaßnahmen versuchte eine Gruppe von Sympathisanten zum Haus an der Rigaer Strasse vorzudringen.

Sympathisanten versuchen eine Polizeiabsperrung zu durchdringen | Foto: © Tomas Moll
Sympathisanten versuchen eine Polizeiabsperrung zu durchdringen | Foto: © Tomas Moll

Als Beamte versuchten dieses zu unterbinden, kam es zu Rangeleien. Im weiteren Verlauf trat eine junge Frau einen Polizisten in der Zellestraße mit voller Wucht zwischen die Beine, so dass dieser über Schmerzen klagte. Trotz des Angriffes und Verletzung verblieb der Polizist im Dienst.

Eine junge Frau trat einem Beamten zwischen die Beine und wurde vorläufig festgenommen | Foto: © Tomas Moll
Eine junge Frau trat einem Beamten zwischen die Beine und wurde vorläufig festgenommen | Foto: © Tomas Moll

Kollegen nahmen die Frau zur Identitätsfeststellung vorübergehend fest. Auch dabei zeigte sie sich aggressiv und trat gegen ein Polizeifahrzeug des Pressedienstes.

Einkaufswagen voller Steine und Krähenfüssen sichergestellt

Bei dem Einsatz in dem Haus an der Rigaer Straße 94 konnte die Polizei mehrere Einkaufswagen mit Steinen, in der Vergangenheit als Wurfgeschosse genutzte Feuerlöscher, Eisenstangen sowie Kistenweise selbsthergestellte Krähenfüsse sicherstellen.

Ein kleiner Teil der sichergestellten Utensilien | Foto: © Tomas Moll
Ein kleiner Teil der sichergestellten Utensilien | Foto: © Tomas Moll

IED Beamte im Einsatz

Ebenfalls wurden rund ein dutzend präparierter Propangasflaschen sichergestellt. Dieses rief auch IED (improvised explosive device) Beamte der Entschärfer Truppe auf den Plan, die die Flaschen und Schläuche vor dem Abtransport untersuchten.

IED Beamte an der Rigaerstr | Foto: © Tomas Moll
IED Beamte an der Rigaerstr | Foto: © Tomas Moll

Wiederaufbau angekündigt

Gegen 5 Uhr konnte die Polizei den Einsatz beenden und zog sich zurück. Über Stunden waren Ermittler im Einsatz. Auch zahlreiche Anwohner rund um das Haus äußerten ihren Frust: „Es steht uns langsam bis oben. Mehrmals in der Woche sorgen die Chaoten für regelrechten Terror hier im Kiez. Laute Musik, Steinwürfe, Razzien. Es wird Zeit, dass die möchtegern 80er Jahre Bewegung unseren Kiez verlässt.“, sagte eine genervte Anwohnerin.

Polizeibeamte vor dem Haus an der Rigaer | Foto: © Tomas Moll

Die Linksautonomen sehen das jedoch anders. Gerade einmal fünf Miunten nach Beendigung des Polizeieinsatzes kündigten sie ihren ‚Wiederaufbau‘ an.