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Essen | Bei einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag nahmen Polizei und Staatsanwaltschaft Essen Stellung zu den Ermittlungen nach dem Anschlag auf den Tempel der Essener Sikh-Gemeinde am vergangenen Samstag. Gegen 19 Uhr explodierte eine Sprengvorrichtung im Eingangsbereich des Gebetraumes. Zwei Männer wurden leicht verletzt. Die schweren Verletzungen eines dritten Opfers mussten in einem Krankenhaus behandelt werden.
Bei der anschließenden Spurensicherung mit Unterstützung des Landeskriminalamtes stellten die Ermittler einige Gegenstände sicher.

Spezialeinheiten nehmen Tatverdächtigen fest

Mit einem erheblichen Personalaufwand fahndete die Essener Polizei seitdem auf Hochtouren nach den Tatverdächtigen. Vor der nun erfolgten Festnahme waren weit über 100 Beamte rund um die Uhr mit den Ermittlungen und Fahndungsmaßnahmen beschäftigt. Durch die Veröffentlichung des vorhandenen Bildmaterials erhielt die Polizei mehrere Hinweise aus der Bevölkerung.

Mit Bildern aus einer Überwachungskamera suchte die Polizei nach den Tätern | Foto: © Polizei
Mit Bildern aus einer Überwachungskamera suchte die Polizei nach den Tätern | Foto: © Polizei

Gestern Abend stellte sich einer der mutmaßlichen Tatverdächtigen – ein 16-Jähriger -auf einer Polizeiwache in Gelsenkirchen. Der zweite Jugendliche, ebenfalls 16 Jahre alt, wurde in der letzten Nacht durch Kräfte der Spezialeinheiten in Essen vorläufig festgenommen.

„Trotz der Zufriedenheit nach den erfolgten Festnahmen, bleibt noch immer die Betroffenheit und die Anteilnahme, die den von der Tat Verletzten gilt“, erklärt Polizeipräsident Frank Richter.
„Wir müssen von einem Terrorakt ausgehen, von religiös eingefärbtem Terror der islamistischen Szene“. Eine direkte Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppierung könne jedoch nach jetzigem Ermittlungsstand noch nicht festgelegt werden. „Wir werden weiterhin alles tun, um den Schutz der Sikh-Gemeinde in Essen weiter zu gewährleisten. Unsere Arbeit endet nicht mit der Festnahme der beiden Tatverdächtigen. Es gibt noch zahlreiche Spuren, die ausgewertet werden müssen.“, so Richter.

Noch immer beschäftigen sich circa 60 – 70 Beamte der Essener Polizei rund um die Uhr mit der Aufklärung weiterer Hintergründe, möglicherweise stehen noch weitere Festnahmen an. Auch der momentane Einsatzleiter, Polizeidirektor Michael Schemke, kann noch keine Einzelheiten zu der Festnahme der beiden Beschuldigten preisgeben. Das Verfahren und die Anschlussmaßnahmen dürfen zum momentanen Zeitpunkt nicht gefährdet werden.
Der Leitende Oberstaatsanwalt Walther Müggenburg erklärte, dass beide Personen mit dem Ziel der Untersuchungshaft heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

NRW Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte: „Die NRW-Polizei handelt entschlossen gegen salafistische Extremisten. Das beweist die Festnahme von zwei Tatverdächtigen nach dem Anschlag auf einen Sikh-Tempel in Essen. Die schnelle Festnahme zeigt: Der Fahndungs- und Ermittlungsdruck in NRW ist hoch. Das ist gerade in der jetzigen Situation besonders wichtig und hat auch in diesem Fall zum Erfolg geführt.“