Berlin | Bereits zum zweiten Mal packte der Landesverband Berlin der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) am Samstagnachmittag an und unterstützte die Aktion „Helfen macht stark“ an der Berliner Bahnhofsmission am Zoo. Nachdem bereits im vergangenen Jahr unter dem Motto „Hilfe für Obdachlose“ – wir berichteten – die Spendenaktion für Bedürftige ein voller Erfolg war, konnten in diesem Jahr zahlreiche weitere Firmen, Politiker und private Sponsoren gefunden werden. Neben warmer Kleidung, Schuhen und Verpflegung waren diesmal auch Ärzte, ein Tierarzt und Frisör vor Ort, um Menschen in Not zu helfen. An knapp 20 Ständen  konnten die freiwilligen Helfer kiloweise Kleidungsspenden und Verpflegung an Obdachlose ausgeben.

Spendenaktion für Obdachlose am 07.01.2017 an der Bahnhofsmission am Zoo. Foto: © Tomas Moll

Zudem gab es ein kleines Bühnenprogramm mit Musik von Elvis Presley, Joe Cocker und Straßenmusikern aus New York, für die hunderten Obdachlosen.

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Die Aktion unter dem Motto „Helfen macht stark“ wurde von Andreas Marquardt initiiert und von einem breiten Bündnis unterstützt. Über zwei Jahrzehnte war Andreas Marquardt Zuhälter in der Berliner Halbwelt. 2003 wurde er aus der Haft entlassen und führt bis heute eine Sportschule in Berlin-Neukölln, wo er vor allem Kinder in Karate unterrichtet. Seit vielen Jahren setzt sich Marquardt aktiv für Kinder und Jugendliche sowie sozial Schwächere ein, insbesondere im Rahmen seiner Initiative „Helfen macht stark“. Durch die Organisation regelmäßiger Charity-Events hilft Andreas Marquardt, Berliner Einrichtungen zu unterstützen, die sich intensiv um das körperliche und seelische Wohl von Kindern kümmern, die in ihren Familien misshandelt, vernachlässigt oder sexuell missbraucht werden.

Die beiden Initiatoren Marquardt und Biedermann | Foto: © Tomas Moll

In der Hauptstadt gibt es nach Schätzungen der Bahnhofsmission am Zoo rund 6.000 Obdachlose und gerade einmal 700 Schlafplätze. Offizielle Zahlen der Bundes- und Landesregierung gibt es nicht. „Dies sei ein erheblicher finanzieller und bürokratischer Aufwand für die Datenerfassung“, so ein politischer Sprecher. Während die von mehr als 80.000 Asylsuchenden in Berlin angekommen sind und nicht draußen schlafen müssen, gibt es zahlreiche Menschen die wegen Wohnungsräumungen kein Obdach mehr haben werden, weil es Schwierigkeiten gab wegen fehlender Mietzahlungen oder wegen Verhaltensauffälligkeiten innerhalb der Mietergemeinschaft. „Jedoch gibt es auch zahlreiche Menschen, die kaum bis keine Hilfe annehmen wollen und lieber auf der Straße leben möchten“, sagte eine Helferin.

Spendenaktion für Obdachlose am 07.01.2017 an der Bahnhofsmission am Zoo. Foto: © Tomas Moll

Mitinitiator der Aktion, der stlv. Landesvorsitzende der DPolG Berlin Boris Biedermann sagte: „Besonders in extrem starken Kälteperioden muss es Notunterkünfte für Obdachlose geben. Dieses könnten auch Sporthallen sein, die am Tage wieder geräumt werden. Mich persönlich hat der Dialog mit den Obdachlosen in den letzten Tagen sehr nachdenklich gemacht.“

Der syrische Flüchtling Bilal al Dumani sagte gegenüber dem Tagesspiegel, dass er in Syrien alles verloren und dafür die Stabilität in Deutschland gefunden habe. Seit dem ersten Tag in Deutschland konnte er in einem Camp leben und später in eine Wohnung ziehen. „Wie ich selbst haben auch viele Obdachlose nichts, egal aus welchem Grund. Ich empfinde das so, dass ich besser als diese Leute behandelt wurde. Hier gibt es eine Ungerechtigkeit, das sagt mir immer mein Gewissen„, so Dumani im Oktober gegenüber dem Tagesspiegel.

Bundespräsident besucht Berliner Bahnhofsmission

Erst Mitte Dezember besuchte Bundespräsident Joachim Gauck die Bahnhofsmission am Zoo, eine Einrichtung der Berliner Stadtmission: „Ich hatte das Gefühl, ich müsste gerade  in der Adventszeit Menschen Dankeschön sagen, Dankeschön für ihre engagierte Arbeit im sozialen Bereich. Ich habe erfahren, was hier geleistet wird für Menschen, die in Not sind. Ich hatte eine besonders bewegende Begegnung mit einem Ehrenamtlichen, der seit vielen Jahren hier aktiv ist. Für ihn ist die Jebensstraße, in der die Bahnhofsmission liegt, eine Straße der Wunder, nicht eine Straße der Probleme. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Berlinerinnen und Berliner wahrnehmen, was hier an kostbarer Hilfe geleistet wird.“

Spendenaktion für Obdachlose am 07.01.2017 an der Bahnhofsmission am Zoo. Foto: © Tomas Moll

Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, berichtet: „Ein obdachloser Gast der Bahnhofsmission hat im Gespräch mit dem Bundespräsidenten einen stärkeren sozialen Wohnungsbau gefordert und er hat vom Bundespräsidenten die Zusage bekommen, dass er das bei seinem nächsten Zusammentreffen mit Berliner Landespolitikerinnen und -politikern zur Sprache bringen wird. Diese Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen, war ein wichtiges Ziel des Besuchs.

Auch Polizei Berlin beteiligt sich

In diesem Jahr unterstützen auch die beiden Polizeibaschnitte 54 und 55 der Polizeidirektion 5 die Aktion. Mit Organisator Maik Buch (Buch Event Service) sagte, dass man in diesem Jahr deutlich über 1.500 Menschen versorgen konnnte: „Wir haben über 2.000 Donuts, 3.000 Bratwürste und unzählige belegte Schrippen, Salate und Obst  bekommen um dieses den Obdachlosen anbieten zu können. Hinzu kommen rund 5 Tonnen warme Kleidung. Ich bin begeistert von dieser Hilfsbereitschaft und es wird ein solche Aktion definitiv auch im kommenden Jahr geben.“

Auch Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) unterstützte die Spendenaktion für Obdachlose am 07.01.2017 an der Bahnhofsmission am Zoo. Foto: © Tomas Moll

Weitere Spender, Helfer und Unterstützer der Aktion waren:

Curry Paule, Märkisches Landbrot, Havel Wasser, Thoben Bäckerei, Dr. Robbin Juhnke MdA, REAL Neukölln, Eberswalder Wurstwaren, Maik Buch Event Service UG, Abschnitte 54 und 55 der Polizeidirektion 5, Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), Berlin zeigt Herz e.V., Michael Kuhr, Andreas Marquardt, Gym80, Camp Stahl – Carsten Stahl, Krankentransport Rhin und viele private Helfer.