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Köln | In der Silvesternacht ist es im unmittelbaren Umfeld des Kölner Hauptbahnhofs zu massiven Übergriffen einer mehr als 1000 Personen umfassenden, stark alkoholisierten Menschenmenge gekommen, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen, sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers heute auf einer Pressekonferenz.
Aus der Menschenmenge haben sich kleinere Grupppen von Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten. Polizeipräsident Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung.
Außerdem wurden andere Feiernde und Reisende aus der Menschenmenge heraus immer wieder mit Feuerwerkskörpern beschossen.

Zudem ist es zu zahlreichen Fällen von Diebstahl beim „Antanzen“ von Opfern gekommen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand der Polizei und der Zeugenaussagen war der Großteil der Täter junge Heranwachsende aus nordafrikanischen Herkunftsländer und dem Nahen Osten.
Die massiven Übergriffe während der Kölner Silvesternacht sind unerträglich, deshalb ist es wichtig, dass die Hintergründe der Tat rückhaltlos aufgeklärt und die Täter konsequent bestraft werden“, forderte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Arnold Plickert.

Wenn Frauen sexuell belästigt werden, ist das ein massiver Eingriff in ihre Grundrechte. Das ist nicht hinnehmbar. Deshalb darf bei der Aufklärung der Übergriffe nichts verschwiegen werden, auch wenn das zu Ergebnissen führen sollte, die politisch unangenehm sind

, fordert Plickert. Zugleich warnte der GdP-Vorsitzende aber davor, die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge insgesamt als potenzielle Straftäter zu diffamieren.

„Wenn es Flüchtlinge gibt, die ein Problem damit haben, sich in unsere offene Gesellschaft zu integrieren und die Freiheitsrechte anderer Menschen zu respektieren, müssen wir mit aller Härte des Gesetzes gegen sie vorgehen. Aber wir dürfen auch nicht übersehen, dass der Großteil der Menschen zu uns gekommen ist, weil sie in ihren Herkunftsländern ihres Lebens nicht mehr sicher sind“, sagte Plickert.

Zivilpolizistin in die Hose gefasst

Bis zum heutigen Montag liegen der Polizei rund 60 Anzeigen vor. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher noch nicht gemeldet haben und haben eine Ermittlungsgruppe gegründet. Zur Arbeit der Ermittler gehört unter anderem die Auswertung umfangreicher Videoaufnahmen.
„Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst“, berichtete Plickert. Bei den am Einsatz beteiligten Polizeibeamten herrsche eine „tiefe Betroffenheit“.

Laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ hat Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker für Dienstag ein Krisentreffen anberaumt. Die Vorfälle seien „ungeheuerlich“, sagte Reker.

Weitere Geschädigte, die sich in der Silvesternacht am Bahnhofsvorplatz und um den Dom in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr aufgehalten haben und noch keine Anzeige erstattet haben, werden gebeten sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen.

Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 12 unter der Rufnummer 0221/ 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen

Fünf Verdächtige nach Übergriffen am Bahnhof festgenommen

Beamte der Bundespolizei haben am gestrigen Sonntag fünf Verdächtige im Alter von 18-, 19-, 21-, 22- und 24-Jahre auf einem Bahnsteig des Breslauer Platzes festgenommen. Die Männer hatten zuvor weibliche Reisende bedrängt. Bei einem weiteren Geschädigten (25) entwendeten die Täter ein Mobiltelefon.

Gegen 4.20 Uhr gingen bei der Polizei Köln über den Notruf „110“ Hinweise zu Übergriffen durch eine Personengruppe an Stadtbahnhaltestelle Dom-Hauptbahnhof ein. Sofort alarmierte Beamte der Bundespolizei stellten die fünf Verdächtigen auf dem Bahngleis 10/11 des Kölner Hauptbahnhofes.
Nach Zeugenaussagen hatten drei der Täter wenige Minuten zuvor mehrere Frauen angesprochen und bedrängt. „Ich sah die Polizisten auf dem Bahnsteig. Ich meldete sofort, dass ich von zwei Männern aus der Gruppe beklaut worden war“, so der 25-Jährige. Auch der Geschädigte war zuvor durch „Antänzer“ körperlich bedrängt worden. Die Täter hatten versucht durch Unterhaken und Bein stellen von ihrem Vorhaben abzulenken. Es klickten die Handschellen.

In den Taschen und Jacken der Täter fanden die Beamten nicht nur das Handy des Geschädigten. Für weitere Mobiltelefone und ein Tablet konnten die in Köln nicht Wohnhaften keinen Eigentumsnachweis erbringen.

Die Bundespolizei übergab die Festgenommenen der eingerichteten Ermittlungsgruppe der Polizei Köln.
Zurzeit wird geprüft, ob das Quintett für Taten aus der Silvesternacht in Betracht kommt.
Die Ermittlungen dauern an.