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Düsseldorf/Hannover | Wenn es nach NRW Innenminister Ralf Jäger (SPD) geht soll die Polizeiarbeit effektiver und der lästige „Papierkram“ deutlich weniger werden, damit sich die Einsatzkräfte mehr auf die wesentliche Polizeiarbeit konzentrieren können. Dafür rüstet die Polizei NRW in einem Pilotprojekt ihre Streifenwagen mit 100 speziell gesicherten Tablets aus. Am heutigen Montag fiel dazu in den Polizeibehörden Köln, Duisburg, Bonn und Düsseldorf der Startschuss.  „Die 100 Tablets sind wie mobile Büros und bedeuten eine deutliche Arbeitserleichterung und Zeitersparnis„, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger heute in Düsseldorf.

Die mobilen Einsatzcockpits sind die ganze Zeit online. „Denn im Dienst werden ständig Informationen benötigt, die auf den Polizeiservern liegen„, so Jäger.
Mit den Tablets können zudem von jedem Streifenwagen aus Einsatzdaten in den Polizeicomputer eingetragen werden. Handschriftliche Notizen und Anzeigen müssen künftig nicht mehr nach Dienstschluss in das System eingetragen werden. „Weniger Papierkram bedeutet, dass die Beamtinnen und Beamten mehr Zeit für das Wesentliche haben„, betonte Jäger. Vermisste Personen identifizieren, Personalien überprüfen oder frühere Delikte eines Verdächtigen recherchieren: All das ist über den Touchscreen schnell möglich.

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Im Flächenbundesland Niedersachsen ist man schon einen Schritt weiter. Bereits im November vergangenen Jahres  – ein Jahr dem Start eines Pilotprojekts zur Ausstattung von Streifenpolizisten mit Tablet-Computern – kündigte der niedersächsische Innenminister Boris Pitorius (SPD) an, bis Ende 2017 die Polizisten des Landes mit 1000 Tablets auszustatten. „Das Format Tablet hat sich für polizeiliche Zwecke nicht nur als geeignet, sondern sogar als eine echte Verstärkung erwiesen„, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Auch die Rückmeldungen der Beamtinnen und Beamten waren so gut, dass das Innenministerium Niedersachsen das Projekt bereits im Juni auf alle Polizeidirektionen ausweitete und die Zahl der Tablets auf 500 erhöhte.

Der Nidersächsische Innenminister Boris Pistorius | Foto: © Archiv Tomas Moll

Dazu erklärt der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius: „Die Polizei wird in Zukunft zweifellos stark von der Nutzung mobiler Endgeräte profitieren und dadurch noch effizienter arbeiten. In zehn Jahren werden wir eine viel digitaler ausgerichtete Polizei haben als heute. Es ist deshalb wichtig, dass wir schon jetzt die richtigen Weichen dafür stellen! Wir hoffen, dass auch die anderen Länder und der Bund von unseren Erfahrungen und Innovationen profitieren werden.

Predicitve Policing

Um die bundesweit hohen Einbruchszahlen, vorallem durch mobile Tätergruppierungen begangen, in den Griff zu bekommen, setzen viele Polizeibehörden bereits auf Predicitve Policing, also die „Vorhersage“ möglicher künftiger Einbruchstatorten.  Mit der Software „Skala“ (System zur Kriminalitätsanalyse und Lageantizipation) in NRW und „PreMAP“ in Niedersachsen sind auch die Tablets für die Streifenpolizisten ausgestattet. Seit November 2015 testet die Kölner Polizei in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt (LKA) die Software, die Gefahrenbereiche für Wohnungseinbrüche prognostiziert.
„Welche Orte sind besonders gefährdet? Auch darüber können sich die Streifenteams auf dem Display informieren. Und dort dann gezielt Präsenz zeigen“, so das MIK NRW.

Datenschutz und die Netzwerksicherheit

Eine entscheidende Rolle bei der Nutzung von Tablets spielt dabei der Datenschutz und die Netzwerksicherheit. Die Verschlüsselung der Daten erfolgt im sogenannten End-to-End-Verfahren. Es kann also niemand mitlesen – außer demjenigen, der die Daten absendet und der Person, die sie empfängt. „Die als Schutz bereitgestellten Sicherheitsmechanismen von herkömmlichen mobilen Geräten reichen nicht aus“, erklärt Peter Rost vom deutschen IT-Sicherheitsunternehmen Rohde & Schwarz Cybersecurity, welches die Polizei Niedersachsen mit den Tablet-Computern ausstattet.

Die technische Entwicklung und fachliche Umsetzung des Projekts in Niedersachsen liegt bei der Abteilung „Informations- und Kommunikationstechnologie“ der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD). Zunächst sollen von den Experten der ZPD die diversen polizeilichen IT-Anwendungen mobil nutzbar gemacht werden, etwa zur Fahndung, zur Vorgangsbearbeitung oder auch die Abfragemöglichkeiten des Kraftfahrtbundesamtes. Außerdem sollen schon bald eigene Apps für die Geräte entwickelt werden. Ein Messenger-Dienst für die mobilen Endgeräte ist ebenfalls in Planung. Die Erfahrungen der Polizeibeamtinnen und -beamten aus dem Pilotprojekt fließen dabei direkt in die Entwicklung der eigenen Apps mit ein.

Damit die besonderen Anforderungen des Datenschutzes und der Informationssicherheit immer eingehalten werden, soll ein speziell auf Polizeibedürfnisse zugeschnittenes Betriebssystem genutzt werden. Das Pilotprojekt erfolgt auch deshalb in enger Abstimmung mit der Niedersächsischen Landesbeauftragten für den Datenschutz (LfD).