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[dropcap]B[/dropcap]erlin | Am gestrigen Mittwochabend gegen 19.30 Uhr befand sich ein außer Dienst befindlicher Polizeioberkommissar (POK) mit Migrationshintergrund der Polizei Berlin am S-Bahnhof Friedrichstraße auf dem Weg nach Hause. Für eine Vielzahl anderer Fahrgäste bemerkbar, äußerste sich ein junges Pärchen zunächst negativ über die Polizei.
Als der Beamte die beiden freundlich ansprach und nach dem Anlass für diese Aussagen fragte, beleidigten sie den Polizisten aufgrund seines Migrationshintergrundes.
Während das Duo anschließend davon rannte, riefen sie weitere Beleidigungen in Richtung des Beamten, hoben den rechten Arm und schrien „Sieg Heil“.

Nur rund 15 Minuten später gegen 19.45 Uhr gerieten der 20-jährige Mann und seine zwei Jahre ältere Begleiterin auf dem Bahnhof Friedrichstraße in einen Streit mit einem unbekannten Mann, welcher in dessen Verlauf ein Messer zog und das Pärchen bedrohte. Diese besprühten den Mann mit Pfefferspray, bis der die Flucht ergriff. Das Pärchen ergriff ebenfalls die Flucht und rannte über die Gleisanlagen zu einem anliegenden Wohnhaus und versteckte sich auf dem Dach.

Mit Hilfe der Berliner Feuerwehr konnten Bundespolizisten das Pärchen mittels Drehleiter und Rettungskorb vom Dach holen und vorläufig festnehmen, wie Pressesprecher und Polizeihauptkommissar Schobranski von der BPol gegenüber SEK-Einsatz.de sagte.
Die Bundespolizei leitete Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Den einschlägig polizeibekannten Mann brachten die Beamten zurück in seine psychiatrische Einrichtung, aus welcher er bereits als „vermisst“ gemeldet wurde.
Seine ebenfalls polizeibekannte Freundin aus Reinickendorf musste aufgrund ihrer Aggressivität noch mehrere Stunden im polizeilichen Gewahrsam bleiben„, so Schobranski.

GSG 9 Beamter überwältigte den 20-Jährigen bereits in der Vergangenheit

Der 20-Jährige war nach Aussage der Bundespolizei kein Unbekannter. Bereits am 17. März 2015 sorgte der psychisch kranke Mann für einen Großeinsatz am S-Bahnhof Friedrichstraße. Nachdem der Mann damals Suizidabsichten angekündigt hatte, kletterte er auf das Dach des Bahnhofes und verschanzte sich dort für mehrere Stunden. Außerdem drohte er immer wieder damit sich umzubringen. Schon damals war er aus einer psychiatrischen Einrichtung abgängig.

Der S-Bahnhof wurde damals geräumt, der Bahnverkehr komplett unterbrochen sowie der Strom der Bahnoberleitungen abgeschaltet, um eine Gefährdung für den 20-Jährigen auszuschließen. Polizisten und Betreuer versuchten den Mann über Stunden zur Aufgabe zu bewegen. Da dieses nicht gelang und die Situation sich zuspitzte, griff die Bundespolizei zu. Ein zufällig im Praktikum am Hauptbahnhof anwesender GSG 9 Beamte sowie weitere Kollegen stürmten das Dach und konnten den 20-Jährigen unverletzt in Sicherheit bringen. Auch damals kam der Mann bereits in eine psychiatrische Klinik.

Auch am gestrigen Mittwoch war während der Einsatzmaßnahmen der S-Bahnverkehr kurzfristig eingestellt. Es kam es zu Verspätungen.