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Ermittler der Mordkommission sichern Spuren am Tatort | Foto: © Tomas Moll
Ermittler der Mordkommission sichern Spuren am Tatort | Foto: © Tomas Moll
[dropcap color=“#1e73be“ font=“0″]B[/dropcap]erlin | Erneut kam es am Berliner Alexanderplatz zu einem tödlichen Streit, bei dem am gestrigen Sonntagnachmittag ein 30-jähriger Mann niedergestochen wurde. Das Opfer erlag seinen schweren Verletzungen noch auf dem Weg ins Krankenhaus.
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Mordkommission verließen zwei Frauen (23,24) und zwei Männer eine Diskothek an der Dircksenstraße. Nur wenige Fußminuten entfernt traf das Quartett gegen 16 Uhr auf dem Gehweg der Rosa-Luxemburg-Straße Ecke Karl-Liebknecht-Straße (Mitte) auf eine weitere Gruppe Männer, die sich eventuell auch zuvor in dem Klub aufgehalten hatten.
Aus dieser Gruppierung sprach ein Mann eine der Frauen aus dem Quartett an, worauf es zu einem kurzen Wortgefecht mit ihm und dem späteren Opfer kam. Kurz darauf stach der Unbekannte auf den 30-Jährigen ein und flüchtete.

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Fotos: © Tomas Moll

Alarmierte Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr sowie ein alarmierter Notarzt führten vor Ort Wiederbelebungsmaßnahmen durch und transportierten den lebensgefährlich Verletzten in ein Krankenhaus, wo er kurz darauf verstarb.
Eine Mordkommission übernahm umgehend den Tatort am Alexanderplatz und eine Fahndung nach dem noch flüchtigen Täter wurde eingeleitet.

Am heutigen Montag gegen 13.30 Uhr nahmen Fahnder der Direktion 6 den Tatverdächtigen in Berlin-Friedrichshain fest. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen polizeibekannten 18-Jährigen. Der junge Mann soll morgen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Berlin einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Berlins Innensenator Frank Henkel dankt der Polizei zur schnellen Festnahme des Tatverdächtigen

„Ich danke der Berliner Polizei, dass sie nach diesem kaltblütigen Verbrechen so schnell den mutmaßlichen Täter festnehmen konnte. Jede Sekunde, die ein solcher Gewalttäter weiter frei herumlaufen kann, wäre unerträglich gewesen.

Mich macht jedoch nicht nur die brutale Tat betroffen, sondern auch ihre möglichen Folgen auf das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen. Der Alexanderplatz darf kein Angstraum werden. Es ist aber nachvollziehbar, dass die Menschen nach solchen Taten Angst haben. Polizeilich haben wir gegengesteuert, durch mehr Personal und neue Sicherheitskonzepte. Wir haben in den letzten zwei Jahren ein Kontaktmobil eingerichtet, wir haben ein Direktionskommando eingeführt, wir haben die Streifentätigkeit erhöht. Zudem setzen wir weiter auf die hervorragende Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Ich setze vor allem auf Polizeipräsenz, und dabei bleibt es auch. Denn die Arbeit der Polizei ist erfolgreich. So hat die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen am Alexanderplatz im vergangenen Jahr um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr abgenommen.

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass die Polizei nicht alles allein regeln kann, was auf diesem Platz an Alkohol, Vernachlässigung und sozialen Spannungen aufeinanderprallt. Der Alex bleibt ein Ort, der großes Kopfzerbrechen bereiten muss. Die Polizei tut, was sie kann, und das wird sie auch weiter tun. Aber es reicht offensichtlich nicht aus, um jede solcher kranken Einzeltaten zu verhindern. Das mussten wir gestern leider feststellen.

Bei aller Bereitschaft, über weitere Sicherheitskonzepte zu diskutieren, muss ich die Forderung nach einer Kombiwache jedoch deutlich zurückweisen. Die Antwort auf Gewaltvorfälle kann nicht weniger Polizeipräsenz heißen. Genau das würde eine Kombiwache jedoch bedeuten, weil sie neue Bürokratie und Logistik erfordert und für administrative Aufgaben Personal bindet, das mir dann als Streife fehlt. Das kann ich sicherheitspolitisch nicht verantworten.“

Rund um den Berliner Alexanderplatz hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von Gewalt gegeben, die aufgrund ihrer Brutalität und oftmals der Banalität des Anlasses für Schlagzeilen sorgten.
Besonders der Fall des 20-jährigen Johnny K., der im Oktober 2012 von mehreren Männern totgeprügelt wurde, regte die Diskussion zum Thema Jugendgewalt erneut an.

Die Schwester Tina K bei der Gedenkfeier im Oktober 2013 | Foto: © Tomas Moll
Die Schwester Tina K bei der Gedenkfeier im Oktober 2013 | Foto: © Tomas Moll

Seit November 2012 setzt sich die acht Jahre ältere Schwester des Opfers, Tina K., engagiert gegen Gewalt und für Gewaltprävention ein. Dazu gründete sie den Verein „I am Jonny“ der von vielen Prominenten unterstützt wird.