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Berlin | Am Montagabend gegen 20 Uhr ist ein 40-Tonnen Lkw auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg gerast.

Polizeisprecher Winfrid Wenzel (KOR) am Einsatzort in Berlin | Foto: © Tomas Moll

Wie die Polizei Berlin am Abend mitteilte gibt es 12 Tote und 48 zum Teil schwerverletzte Menschen zu beklagen. Zunächst war von neun Toten und mindestens 50 Verletzten die Rede gewesen, die in Krankhäuser eingeliefert wurden. Auf einer Strecke von rund 80 Metern raste der Lkw über den gut besuchten und beliebten Weihnachtsmarkt und zerstörte dabei mehrere Buden. Aktuell kämpfen die Berliner Ärzte der Charité um das Leben von weiteren Personen. Dutzende haben schwere Brüche, innere Verletzungen und Traumata erlitten.

Einsatzkräfte der Berliner Polizei untersuchen den Lkw | Foto: © Tomas Moll

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach am Abend zunächst von einem „schrecklichen Vorfall“ und nicht von einem Anschlag. Am späten Abend konkretisierte er seine Angaben und sagte, viele spräche für einen Anschlag. „Ich wurde unmittelbar nach dem schrecklichen Vorfall auf dem Berliner Weihnachtsmarkt unterrichtet. Meine Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzen des schrecklichen Vorfalls. Ich stehe in unmittelbarem und durchgehendem Austausch mit den Sicherheitsverantwortlichen im Land Berlin und habe jede Unterstützung durch die Bundespolizei angeboten.

Ein Beamter der Bereitschaftspolizei steht am Einsatzort | Foto: © Tomas Moll
Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Einsatzort in Berlin | Foto: © Tomas Moll

Wie Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Einsatzort sagte, sei der mutmaßliche Fahrer geflüchtet und kurze Zeit später durch Bereitschaftspolizisten nahe des Tatortes am Zoologischen Garten festgenommen worden. Derzeit befindet sich die Person auf einem Polizeiabschnitt und wird von Ermittlern des Landeskriminalamtes (LKA) vernommen.

Die Berliner Polizei macht zur Zeit keine weiteren Angaben zur Nationalität oder Alter des Festgenommen. Sämtliche Informationen müssen derzeit geprüft und gegengecheckt werden, bevor die Berliner Polizei diese gesichert an die Öffentlichkeit geben kann. Wir untersuchen nun, wieso ist dieser Lkw in den Weihnachtsmarkt gefahren. Meine Kolleginnen und Kollegen werden nun noch über viele Stunden ganz akribisch sämtliche Spuren sichern und nach DNA und Faserspuren suchen. Die Tatortbesichtungen dauern noch lange an. Anschließend werden die Toten geborgen.

Ermittler untersuchen den Tatort | Foto: © Tomas Moll

Nach weiteren Angaben der Polizei Berlin seien auch sieben Staatsanwälte im Einsatz und unterstützen die Ermittlungen. Die Generalbundesanwaltschaft hat parallel ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Lkw mit polnischen Kennzeichen und wohlmöglich geklaut

Der Lkw der mit polnischen Kennzeichen versehen war, soll nach ersten Informationen gestohlen worden und mit 25 Tonnen schweren Stahlträgern beladen gewesen sein. Fest steht, bei einem der 12 Toten handelt es sich um einen polnischen Staatsangehörigen, der auf dem Beifahrersitz saß und erschossen wurde. Das sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nach einer Telefonkonferenz der Innenminister der Länder am Dienstagvormittag. Bei dem Erschossen soll es sich um den eigentlichen 37-jährigen Fahrer des entwendeten Lkws handeln.

Der Anschlags-Lkw vor dem Weihnachtsmarkt in Berlin | Foto: © Tomas Moll

Wie der Mann genau zu Tode kam untersuchen nun Rechtsmediziner. In polnischen Medien sprach der Cousin des Getöteten und Speditionschef davon, dass er seit dem Nachmittag keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer hatte, dieser jedoch immer sehr zuverlässig gewesen sei. Der Lkw sei unterwegs von Italien nach Berlin gewesen. Außerdem hätte er den Lkw bereits abgestellt gehabt, um am Dienstag die Stahlträger auszuliefern.

Polizei und Feuerwehr im Großeinsatz

Die Polizei und Feuerwehr war seit dem Abend im Großeinsatz. Wie ein Feuerwehrsprecher sagte, seien rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst binnen weniger Minuten vor Ort gewesen um die Verletzten zu versorgen. Weitere 80 Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes kamen zum Einsatzort hinzu um zu unterstüzen.

Feuerwehr und Rettungsdienstkräfte am Einsatzort in Berlin | Foto: © Tomas Moll

Auch dankte die Berliner Polizei den Gewerbetreibenden rund um den Breitscheidplatz für die selbstlose Versorgung der Betroffenen und Einsatzkräften.

Polizei und Feuerwehr waren im Großeinsatz | Foto: © Tomas Moll

Regierender Bürgermeister Müller: Charité hat Katastrophenfall ausgerufen

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller (SPD), Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsident Klaus Kandt waren am Abend zum Tatort gefahren um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Verletzten„, sagte Müller am Einsatzort. Die Situation sei unter Kontrolle und die Charité darauf eingestellt, viele Verletzte aufzunehmen. Das Krankenhaus habe den Katastrophenfall ausgerufen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller im Interview am Einsatzort | Foto: © Tomas Moll

Müller sprach weiter von einer furchtbaren Situation. Es gebe eine enge Kooperation von Polizei, Feuerwehr und den Krankenhäuser. Alles was in dieser Ausnahmesituation getan werden könne, werde auch getan, so Müller im Interview mit dem Fernsehsender RBB.

Polizeipräsident Klaus Kandt (r.) am Einsatzort | Foto: © Tomas Moll

Für Dienstagmittag ist eine Pressekonferenz angesetzt auf der weitere Informationen und erste Ermittlungsergebnisse gegeben werden sollen. Für den Abend ist ein Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche geplant. Am Vormittag soll hier auch ein Kondolenzbuch ausgelegt werden. Für die Hauptstadt wurde Trauerbeflaggung angeordnet.

Fotos und Videos vom Geschehen gesucht

Sowohl die Polizei Berlin als auch das Bundeskriminalamt (BKA) bitten um Bild- und Videohinweise zum Ereignis am Breitscheidplatz, die für die Ermittler wichtig sein könnten. Hochgeladen werden können diese nun auf dem BKA Hinweisportal unter: https://www.bka-hinweisportal.de

Keine Sicherheit ob der Festgenommene der Todesfahrer ist

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Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) aus Sicherheitskreisen erfahren haben will, soll es sich nach dem Anschlag bei dem mutmaßlichen festgenommenen Fahrer um einen Mann handeln, der im Dezember 2015 als Flüchtling nach Deutschland eingereist sein soll. Bislang gebe es keine letzte Gewissheit, da der Mann unterschiedliche Namen verwendet habe und damit seine Identität nicht zweifelsfrei habe geklärt werden können, erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. „Es deutete viel darauf hin, dass der Mann – ein Pakistaner – bei der Einreise nach Deutschland als Flüchtling registriert worden sei“, so dpa.

Nachdem der Festgenommene auf dem Polizeiabschnitt 25 vernommen und erkennungsdienstlich behandelt wurde, wurde er noch in der Nacht von Spezialeinheiten abtransportiert.

 

Polizeibeamte durchsuchen Hangar

Polizeibeamte durchsuchten noch in der Nacht um kurz vor 3 Uhr eine Notunterkunft für Flüchtlinge in den Hangars des ehemaligen Flughafen Tempelhof. Dort leben rund 2.000 Menschen auf engsten Raum zusammen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bestätigte in einem Statement, dass es sich um einen terroristischen Anschlag gehandelt habe. Ihre Gedanken und Mitgefühl sind bei den Toten, Verletzten und Angehörigen der Opfer. Außerdem dankte die Bundeskanzlerin allen Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr, die am Abend auf dem Weihnachtsmarkt im Einsatz waren. Am Nachmittag wird Angela Merkel den Tatort am Breitscheidplatz besuchen.

Polizei weiter mit Hochdruck im Einsatz

Auf einer Pressekonferenz am Mittag in Berlin sagte Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt: „Rund 550 Einsatzkräfte der Polizei Berlin waren am Abend im Einsatz und auch weiterhin ermitteln wir mit Hochdruck. Wir haben weiterhin eine offene Lage.

Die Polizei hat Zweifel daran, ob der festgenommene Pakistaner für den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche verantwortlich ist. „Es ist in der Tat nach meinem Stand unsicher, ob das wirklich der Fahrer war„, sagte Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt auf der Pressekonferenz.

Die Ermittlungen dauerten allerdings noch an. Es würden unter anderem DNA-Proben mit Spuren in dem Sattelschlepper abgeglichen, und der Mann werde auf Schmauchspuren, also Rückstände von Schießpulver, an den Händen untersucht.