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[dropcap]O[/dropcap]berhausen | In der Nacht zum heutigen Mittwoch wurde ein 39-Jähriger im Polizeipräsidium Oberhausen erschossen. Gegen 03.10 Uhr kam es im Wartebereich des Gebäudes zu einem Streit zwischen einem Paar und dem 39-Jährigen. „Wieso es zu dem Streit kam, wird derzeit ermittelt“, sagte Polizeisprecher Lars Lindemann. Aus bislang nicht bekannten Gründen zog der Ältere unvermittelt ein Messer und stach mehrfach auf den 21-jährigen Mann ein.

Sofort eilten Polizisten aus dem Wachbereich hinzu und forderten den Angreifer auf, das Messer niederzulegen. Trotz lautstarken „Waffe weg“ Zurufen der Polizeibeamten reagierte der Angreifer nicht, sondern ging mit dem Messer in der Hand auf die Beamten zu und bedrohte sie.
Um den Angriff abzuwehren schoss ein Polizist mehrfach auf den 39-Jährigen. Ein in der Polizeiwache anwesender Arzt begann sofort mit der Reanimation des Mannes. „Der 39-Jährige verstarb jedoch wenig später“, so Lindemann.

Am frühen Morgen haben Ermittler des Essener Kriminalkommissariats 11 die Arbeit aufgenommen, um den genauen Tathergang zu klären. Derzeit werden alle Zeugen befragt und die Spurensicherung ist vor Ort.

Hintergrund: 2014 sieben Menschen durch Polizisten erschossen 

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Im vergangenen Jahr musste Polizisten insgesamt 46 Mal zur Dienstwaffe greifen, um gezielt in Notwehr oder Nothilfesituationen auf Menschen zu schiessen, so eine Statistik für die Innenministerkonferenz (IMK). Dabei wurden sieben Personen getötet und 31 durch Projektile verletzt. Da die Beamten nicht immer bei gezielten Schüssen trafen, gab es weniger Tote und Verletzte als Vorfälle. Trotz der Zahlen handelt es sich bei steigender Gewalt gegen Polizeibeamte um Einzelfälle. Allein in Berlin sind im Jahr 2013 5.918 Polizisten Opfer von Straftaten geworden, wobei bei rund 2.000 Widerstandshandlungen  887 Beamte und Beamtinnen verletzt wurden. Bei den schweren Ausschreitungen bei der Demo von „Hooligans gegen Salafisten“ in Köln im Herbst 2014 wurden 44 Polizisten verletzt. Mehr als 80 Beamte und Beamtinnen bei den Krawallen zur EZB-Eröffnung in Frankurt.

Polizisten und Polizistinnen nach Waffengebrauch traumatisiert

Da die Wahrscheinlichkeit zur Dienstwaffe greifen zu müssen für Streifenpolizisten eher gering ist, der Umgang zwar regelmäßig trainiert wird, sind die meisten Beamten nach einer Schussabgabe auf Personen anschließend ein Lebenlang traumatisiert. In einer Masterarbeit für die Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol) befragte ein Polizist Kollegen die Menschen im Dienst getötet haben. Ein Drittel kehrte bald in den Dienst zurück, beim zweiten Drittel müssen die Folgen oftmals sehr lange therapiert werden und das andere Drittel kann aufgrund des Erlebten meist nur noch Innendienst versehen.