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[dropcap]K[/dropcap]öln | Die Loyalität und das Vertrauen innerhalb einer der drei Kölner Einheiten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) scheint zerrüttet zu sein. Ein Anwärter des Kommandos erhebt schwere Vorwürfe gegen einzelne Kollegen des Teams. Es geht um Nötigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

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Um in einem Kommando beim SEK Mitglied zu werden gibt es harte Aufnahmekriterien. Zum einen muss der Bewerber seine Ausbildung/Studium im Polizeidienst erfolgreich absolviert haben und mindestens ein bis zwei Jahre – je nach Bundesland – Berufserfahrung gesammelt haben. Anschließend wird in einem mehrtätigen Eignungsauswahlverfahren (EAV) festgestellt, ob der potentielle Kandidat die Eignung für die Einführungsfortbildung „SEK“ zur Verwendung hat. Die Fortbildung der Anwärter der Polizei NRW wird zentral beim LAFP in Selm-Bork durchgeführt und dauert für SEKs rund ein Jahr. Mit dem erfolgreichen Bestehen des EAV besteht also noch keine Sicherheit in einem Kommando tätig werden zu können.

Flexibilität, Gruppen- und Teamverhalten, Aufgabenanalyse und Aufgabenbearbeitung, Konfliktfähigkeit und Einfühlungsvermögen stehen stellvertretend für die zahlreichen Bereiche, die beim wissenschaftlichen Eignungstest bei SEK, MEK und VG geprüft werden. Doch genau hier scheint es zwischen dem Anwärter und dem Kommando verschiedene Ansichten gegeben zu haben. Wie in vielen Spezialeinheiten von Polizei, Militär oder auch Sportmannschaften gibt es „Aufnahmerituale“ als „Eignungstest“ um zum Team dazu zu gehören. Für die einen sind es „brutale Aufnahmespiel“ für die Anderen „gesunde Härte“.

Polizeipräsident Albers bedankt sich bei dem Beamten, der den Mut gefunden hat die Missstände beim SEK zu offenbaren. So sei es den Ermittlungsbehörden möglich, die Täter zu überführen und zukünftig Kollegen vor demütigenden Aufnahmeritualen zu schützen.

Polizeipräsident Albers betont: „Das betroffene SEK hat offensichtlich ein falsches Verständnis von den Grundwerten unserer Gesellschaft.“ Jeder Polizist verpflichte sich mit seinem Diensteid auf Recht und Gesetz. Dazu gehöre auch, dass Polizisten die Menschenwürde ihrer Kollegen achten und schützen.
„Ich werde es nicht dulden, wenn Menschen gedemütigt und in ihrer Würde verletzt werden. Ich bin davon überzeugt: Die Menschen in Köln haben ein Anrecht darauf, dass die Mitarbeiter der Polizei Köln jederzeit die Menschenrechte achten“, so der Kölner Polizeipräsident.

Ex-LKA Direktor soll für Aufklärung sorgen

Auf einer heutigen Pressekonferenz im PP Köln machte Polizeipräsident Wolfgang Albers deutlich: „Wer gegen die Grundprinzipien der Polizei Köln verstößt muss mit deutlichen Konsequenzen rechnen.“ Auch akzeptiere er nicht, dass Polizeihubschrauber für private Fotos zweckentfremdet werden sowie Kollegen beim SEK erniedrigt oder gedemütigt werden. „Ich halte die Vorwürfe für unerträglich“, so Albers auf der Pressekonferenz.
Darüber hinaus hat der Polizeipräsident den ehemaligen Direktor des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen, Herrn Wolfgang Gatzke, gebeten, die interne Aufarbeitung beim Spezialeinsatzkommando zu übernehmen. Er soll unter anderem die Wertvorstellungen und Rituale im SEK Köln untersuchen.

Innenministerium NRW duldet kein Mobbing

Wie Wolfgang Beus aus dem MIK NRW gegenüber SEK-Einsatz.de sagte: [pull_quote_center]Wir dulden kein Mobbing bei der Polizei. Außerdem gehen wir gegen solche inakzeptablen Aufnahmerituale beim SEK konsequent vor.[/pull_quote_center]

Auf Nachfrage bestätigte Beus auch, dass – wie bereits am Freitag berichtet – die Polizeiführung Köln eine Einheit von ihren Aufgaben entbunden hat. Die entsprechenden Beamten versehen derzeit Innendienst.
„Um jeden Anschein von Parteilichkeit zu vermeiden, hat das Polizeipräsidium Köln die Ermittlungen im Zusammenhang mit den Strafermittlungen in Absprache mit dem Innenministerium auf das PP Düsseldorf übertragen. Wir wollen eine schnellstmögliche Aufklärung des Sachverhalts. Wir werden dem Innenausschuss des Landtags ausführlich über dieses Thema berichten“, so weiter aus dem Innenministerium NRW.