Waßmannsdorf (Brandenburg) – Bei einem SEK-Einsatz (20.04.2007) im brandenburgischen Waßmannsdorf sind zwei Polizisten verletzt worden. Der Sportschütze beging anschließend Selbstmord. Ein erster Versuch, das Gebäude zu stürmen, endete in einer wilden Schießerei.
Ein 52-jähriger Mann hatte sich am Freitag in seinem Haus in Waßmannsdorf (Dahme-Spreewald) verschanzt und gedroht, sich oder andere umzubringen. Ein erster Versuch, das Gebäude zu stürmen, endete in einer wilden Schießerei. Als das Spezialeinsatzkommando (SEK) am späten Nachmittag schließlich in die Doppelhaushälfte eindrang, fand es nur noch die Leiche des Mannes.

„Nach ersten Erkenntnissen beging er Selbstmord“, sagte ein Polizeisprecher. Als Auslöser für die Verzweiflungstat werden Beziehungsprobleme angenommen. Der vermutlich psychisch kranke Mann hatte am Morgen zunächst seine Tochter in seiner Gewalt, sie konnte jedoch durch ein Fenster flüchten. Die 1972 geborene Frau war nicht vernehmungsfähig – zu tief saß der Schock. Schließlich hatte ihr Vater damit gedroht, sie zu erschießen.

Zermürbende Nervenschlacht

Nach ihrem alarmierenden Anruf bei der Polizei begann eine zermürbende Nervenschlacht für die Einsatzkräfte, die nach rund achteinhalb Stunden ein blutiges Ende fand. Mehrere Spezialeinsatzkommandos und Scharfschützen waren angerückt – sogar Verstärkung aus Berlin wurde angefordert. Stundenlang harrten sie vor dem Haus aus; die Nachbarn waren bereits in Sicherheit gebracht worden. Das Haus wurde weiträumig abgesperrt, Schaulustige konnten den Ort des Geschehens nicht einsehen.

Nachdem erste Verhandlungen mit dem Sportschützen gescheitert waren, entschlossen sich die Beamten zum Zugriff. Doch schnell eskalierte die Situation: Der Mann eröffnete das Feuer; einer der beiden dabei verletzten SEK-Beamten erlitt einen Gesichtsdurchschuss, Lebensgefahr soll jedoch nicht bestehen. Der andere Polizist wurde von einem Schuss gestreift.

„Zog sich immer mehr zurück“

Innenminister Jörg Schönbohm bedauerte die Verletzungen. Zugleich dankte er der Polizei für den Einsatz. Über die genaueren Hintergründe des Geschehens konnte zunächst nur spekuliert werden. Ein Freund des Sportschützen sprach von „Vereinsamung“. Seit der Mann im Januar von seiner Ehefrau verlassen worden war, habe er sich völlig verändert. „Er zog sich immer mehr zurück.“ Nach Auskunft des Freundes besitzt der Sportschütze drei Pistolen. Der Mann habe zusammen mit seiner Tochter in der Doppelhaushälfte unweit des Flughafens Schönefeld gewohnt.
Nach Darstellung eines Sprechers waren der Polizei bereits am Donnerstag „Auffälligkeiten“ des Mannes gemeldet geworden. „Eine akute Gefahr war aber keinesfalls zu erkennen.“ Näheres konnte der Sprecher nicht sagen. Allerdings sollte die Berechtigung für den Waffenschein des Mannes überprüft werden. Während der Verhandlungen mit dem Sportschützen hätten die Beamten keinen Blickkontakt mit dem Mann gehabt, berichtete der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder). „Er zeigte sich nicht am Fenster“. Die Hoffnung auf eine am Ende friedliche Lösung zerschlug sich dann jäh am späten Nachmittag.

Quelle: Focus | Polizei Brandenburg (20.04.2007)