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Gießen | Rund 300 Beamte von Zoll, Steuerfahndung und Polizei durchsuchten am Donnerstagmorgen zeitgleich 23 Wohnungen und Geschäftsräume in Hessen. Unter der Führung der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gelang der Ermittlungsgruppe „Phantom“ des Zolls ein Schlag gegen das organisierte Verbrechen im Baugewerbe. Der Schwerpunkt der Aktion war in Frankfurt am Main und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Maßnahmen richteten sich gegen zwei mutmaßliche Tätergruppen aus dem Bereich der organisierten Kriminalität im Baugewerbe, die gegenseitig voneinander profitierten.

Gegen sechs mutmaßliche Drahtzieher des Schwarzarbeits-Netzwerkes lagen bereits Haftbefehle des Amtsgerichtes Frankfurt am Main vor, die vollstreckt wurden. Wegen besonderer Gefährdungslagen aufgrund ihrer Gewaltbereitschaft und wegen Verdunklungsgefahr wurden vier Verdächtige in den frühen Morgenstunden durch eine Spezialeinheit des Zollkriminalamtes der Observationseinheit Zoll (OEZ) sowie einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der hessischen Polizei festgenommen.

Rund 3,5 Millionen Euro Schaden

Der Tätergruppierung wird gewerbsmäßiger Betrug sowie Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in mehr als 100 Fällen vorgeworfen. In den letzten zweieinhalb Jahren sollen sie als Nachunternehmer Bauaufträge überwiegend in Hessen mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt und so den Sozialkassen und dem Fiskus Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro vorenthalten haben.

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Es handelt sich bei den Geschäftsgebaren der Beschuldigten um einen sogenannten Kettenbetrug, bei dem mit fingierten Zahlungen und Scheinrechnungen von mehreren Scheinfirmen Schwarzgeld generiert wurde, um damit die Schwarzarbeiter zu bezahlen. Dabei bedienten sie sich einem Geflecht von etlichen Firmen, um die kriminellen Taten zu verdecken, Einnahmen zu verschleiern und Kontrollen zu erschweren„, sagt Michael Bender, Pressesprecher des Hauptzollamtes Gießen.

Die mutmaßlichen Täter gingen besonders konspirativ vor. Durch Verlegung von Firmensitzen, schwer durchdringbaren Komplexen von Scheinfirmen und dem Einsatz von Strohmännern als Geschäftsführer erschwerten sie uns die Ermittlungen und die Aufdeckung der Taten„, so Bender.

Auf die Schliche kam der Zoll der Bande bei Ermittlungen in einem ähnlichen Fall im vorigen Jahr. Dort tauchten Firmennamen des jetzt zerschlagenen Konstrukts auf. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft beauftragte das Hauptzollamt mit den Ermittlungen, die der Zoll vom Standort Fulda ausführte. Unter dem Namen „Phantom“ gelang es der Fuldaer Finanzkontrolle Schwarzarbeit nicht nur, die kriminellen Machenschaften von drei Baufirmen und ihren Geschäftsführern aufzudecken, sondern sie entlarvte auch ein Netzwerk von mehreren Scheinfirmen.

Die eingesetzten Arbeiter stammten vor allem aus Ost- und Südosteuropa und wurden nicht oder nicht in vollem Umfang zur Sozialversicherung angemeldet.

Bei den mutmaßlichen Tätern, die heute in Frankfurt, Offenbach und Griesheim verhaftet wurden, handelt es sich um zwei Serben im Alter von 38 und 51 Jahren, einen 25-jährigen Slowaken, eine 61-jährige Deutsche kroatischer Herkunft sowie die beiden Köpfe der Gruppen einen 47-jährigen Serben und einen 63-jährigen Deutschen mit bosnisch-herzegowinischer Herkunft. Darüber hinaus wurde ein 24-jähriger Serbe bei seiner Ankunft mit dem Zug am Frankfurter Hauptbahnhof durch ein SEK vorläufig festgenommen. Er soll dem Haftrichter vorgeführt werden.

Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter auch Computer und Mobiltelefone, die durch Spezialkräfte des Zolls für IT-Forensik ausgewertet werden. In Folge der Maßnahmen wurden Personen, die dem Täterkreis zugeordnet werden, eingehend vernommen und Vermögenswerte arrestiert.

Speziell geschulte Finanzermittler des Zolls sicherten zur Schadenswiedergutmachung umfangreiche Vermögenswerte und pfändeten Konten und offene Forderungen für erbrachte Bauleistungen.

Bargeldspürhunde des Zolls im Einsatz

Symbolfoto: © Tomas Moll
Symbolfoto: © Tomas Moll

Bei dem Einsatz wurden auch drei Bargeldspürhunde des Zolls eingesetzt, die in mehreren Durchsuchungsobjekten nach verstecktem Geld schnüffelten. Insgesamt beschlagnahmten die Zöllner mehr als 90.000 Euro. Darunter 67.000 Euro, die im Keller einer Wohnung in einer Weinkiste mit doppeltem Boden entdeckt wurden.

Bei einem der Hautverdächtigten stellten die Fahnder neben einer kleinen Menge Marihuana eine Pistole Kaliber 9mm und etliche Schuss Munition sicher. In einer Wohnung wurden ein Springmesser und ein Schlagring gefunden.

Die weiteren Ermittlungen dauern an.