SEK - Einsätze

Geiselnahme in Görlitzer JVA

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Görlitz – In der Justizvollzugsanstalt im sächsischen Görlitz hat ein Insasse einen Mitgefangenen als Geisel genommen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) ist vor Ort.
Seit etwa 13 Uhr bedrohe der Geiselnehmer den anderen Mann mit einem scharfkantigen Gegenstand, sagte ein Polizeisprecher. In den Verhandlungen der Polizei habe er Forderungen gestellt. Einzelheiten dazu wollte der Polizeisprecher nicht nennen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd verlangt der Mann, mit einem Anwalt sprechen zu können. Weitere Forderungen wurden zuächst nicht bekannt.
In einem Zellentrakt verbarrikadiert
Der Geiselnehmer habe einen Moment ausgenutzt, in dem er Kontakt zu anderen Häftlingen hatte, hieß es weiter. Die beiden Männer seien allein in einem Zellentrakt. Der Täter habe keine Möglichkeit, andere Gefangene in Gefahr zu bringen. „Wir sind mit ihm in Kontakt“, sagte der Sprecher. Bei dem Täter handelt es sich um einen Strafgefangenen aus Polen. Zur Identität der Geisel konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.
In der JVA Görlitz sitzen den Angaben auf der eigenen Internet-Seite zufolge vor allem Untersuchungs- und Abschiebehäftlinge sowie Männer ein, die zu vergleichsweise geringen Haftstrafen verurteilt wurden. Görlitz liegt in Ostsachsen, unmittelbar an der Grenze zu Polen. Geiselnahmen gab es in sächsischen Gefängnissen unter anderem 2005 in Dresden und im Jahr 2000 in Bautzen.

Quelle und Fotos: dpa/reuters

+ + + UPDATE 19:10Uhr + + +

Der 33-jährige Täter sei „ein schwerer Junge“, sagte Anstaltsleiter Frank Hiekel. Der wegen Totschlags Verurteilte habe schon früher in einem anderen Gefängnis eine Geisel genommen. Er sei gerade erst aus Bayern nach Görlitz verlegt worden und sollte in sein Heimatland Polen abgeschoben werden.

Bei der Ankunft sei er „ausgetickt“ und habe den Mann, der gemeinsam mit ihm nach Görlitz überstellt worden war, in seine Gewalt gebracht. Der Vorfall ereignete sich gegen 13.00 Uhr. Der Geiselnehmer bedrohte den 51-Jährigen mit einem scharfkantigen Gegenstand.

„Wir versuchen, die Sache unblutig zu beenden“, hieß es aus dem Lagezentrum der Polizei. Spezialisten seien mit dem Gewalttäter im Gespräch. Es gebe Sichtkontakt und Kontakt per Telefon zu dem Geiselnehmer, sagte Polizeipressesprecher Uwe Horbaschk. Die Polizei schätzte die Lage am Abend als stabil ein. Die beiden Männer waren allein in einem Zellentrakt. Der Täter habe keine Möglichkeit, andere Gefangene in Gefahr zu bringen. „Die anderen Gefangenen sind hinter Schloss und Riegel, müssen in ihren Zellen bleiben“, sagte Hiekel. Das Landeskriminalamt war mit einem Spezialeinsatzkommando am Tatort.

[singlepic id=50 w=250 h=180 mode=web20 float=center] Nicht die erste Geiselnahme für den Täter

Der Mann habe bestimmte Forderungen, sagte der Anstaltsleiter, ohne konkret zu werden. Der Geiselnehmer sei in Deutschland wegen Totschlags verurteilt worden. „Er ist ein problematischer Gefangener, der bundesweit mehrfach verlegt wurde.“ Er habe in verschiedenen Gefängnissen mehrere Straftaten begangen, für die er auch verurteilt wurde, „unter anderem eine Geiselnahme“. Mit seinem jetzigen Opfer sei er nur kurze Zeit zusammen in dem Gefängnis gewesen, aus dem sie verlegt wurden.

In der JVA Görlitz sitzen nach Angaben von Hiekel aktuell 186 Gefangene. Etwa die Hälfte sei zu Haftstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt. Zudem sind dort Untersuchungsgefangene und Abschiebehäftlinge untergebracht. Görlitz liegt in Ostsachsen, unmittelbar an der Grenze zu Polen. Geiselnahmen gab es in sächsischen Gefängnissen unter anderem 2005 in Dresden und im Jahr 2000 in Bautzen.

Keine Details bekannt

Der Polizeisprecher sagte, Spezialeinsatzkräfte seien am Ort des Geschehens. Es werde alles daran gesetzt, die Geisel unversehrt zu befreien. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd handelt es sich bei dem Geiselnehmer um einen Sexualstraftäter, der eigentlich im Laufe des Tages nach Polen abgeschoben werden sollte. Unklar ist bislang, ob er die Abschiebung mit Gewalt verhindern wollte. Zu den genauen Forderungen wurden bislang keine Einzelheiten bekannt.

Bestätigt wurde inzwischen aber, dass er mit einer Anwältin sprechen wollte. Diesen Kontakt habe es auch gegeben, hieß es. Der Polizeisprecher sagte, die Spezialisten der Verhandlungsgruppe (VG) des Landeskriminalamtes stünden in Kontakt mit dem Mann. Unterstützt würden sie von einem Bediensteten der Anstalt

Video auf zdf.de

(dpa, dapd)

Infos zu Geiselnahmen in deutschen JVA’s

  • 17. Dezember 2008: Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei beendet eine Geiselnahme im Magdeburger Gefängnis nach vier Stunden unblutig. Zwei Gefangene hatten einen 65 Jahre alten Mithäftling bedroht und ihre Freilassung gefordert. Gegen die beiden Untersuchungshäftlinge wurden am Landgericht Prozesse geführt.
  • 3. April 2005: Im Naumburger Gefängnis werden drei Bedienstete neun Stunden lang von zwei Häftlingen bedroht. Die Männer, die mit einer Schere bewaffnet sind, wollen ihre Freilassung erzwingen. Die Polizei beendet die Geiselnahme unblutig.
  • 14. Januar 2005: In der Justizvollzugsanstalt Dresden nimmt ein 38 Jahre alter Häftling einen Gefängnisseelsorger als Geisel. Mit einem Besteckmesser hatte er den katholischen Diakon in seine Gewalt gebracht. Nach fünf Stunden lässt er ihn unverletzt frei.
  • 8. Juni 2000: Eine Geiselnahme in der JVA Bautzen wird nach knapp drei Stunden unblutig beendet. Ein 28-Jähriger hatte einen 47 Jahre alten Bediensteten in seine Gewalt gebracht, der bei dem Übergriff leichte Schnittverletzungen erlitt. Nach Verhandlungen mit der Polizei gibt der Geiselnehmer auf. Die Motive bleiben unklar.
  • 23. Dezember 1999: Ein als gefährlich geltender 40-Jähriger will mit einer Geiselnahme in Bautzen erreichen, dass die Presse aus seiner Sicht „richtig“ über seine Verurteilung berichtet. Der 49 Jahre alte Bedienstete und der Täter bleiben unversehrt. Nach der Geiselnahme werden die Sicherheitskontrollen in Bautzen verschärft. Der Gefangene hatte bereits 1997 in Naumburg einen Wärter in seine Gewalt gebracht.
  • 3. Oktober 1998: Ein 37-jähriger Gefangener der Justizvollzugsanstalt Lübeck will mit der Geiselnahme einer 29 Jahre alten Beamtin seine eigene Erschießung erzwingen. Nach knapp acht Stunden überwältigt die Polizei den wegen mehrerer Gewaltverbrechen verurteilten Mann.
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