SEK - Einsätze

Neonazi soll 17-Jährige vergewaltigt haben

Kassel – Hitler-Bild, Sturmgewehr, NPD-Fahne: Die Requisiten, mit denen sich der Kasseler Neonazi Bernd T. im Internet zu präsentieren pflegt, lassen an brauner Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig.
Jetzt aber ist es mit den stolzen Posen erst einmal vorbei: Der 35-Jährige sitzt wegen des Verdachts der Vergewaltigung in Untersuchungshaft. Zweimal soll der Gründer und Kopf des Neonazi-Netzwerks „Sturm 18“ eine 17-Jährige zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.
Die Kasseler Staatsanwaltschaft hat bereits Anklage erhoben. Weil der rechte Aktivist auf Fotos im Internet mit einem echt aussehenden Maschinengewehr posiert hatte, stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) seine Wohnung am Wesertor.

„Wenn der Verdacht besteht, dass ein MG in der Wohnung ist, dann geht da die Kripo nicht im Sonntagsanzug hinein“, erklärt Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung. „Dann kommt eben das SEK.“ Und das ging nicht eben zimperlich vor: Der Dobermann des 35-Jährigen wurde von den Beamten kurzerhand erschossen. Das vermeintliche Kriegsgewehr stellte sich allerdings als harmlose Gotcha-Waffe zum Verschießen von Farbkugeln heraus, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt.

Für Bernd T. war die Razzia ein unangenehmes Déjà-vu: Vor fast genau zehn Jahren hatte ihm sein brauner Aktivismus schon einmal eine Hausdurchsuchung in Kassel eingetragen. Auch damals mussten seine Kampfhunde ihr Leben lassen – ein Erlebnis, mit dem der 35-Jährige später seinen angeblichen Ausstieg aus der rechten Szene begründete.

Doch die Läuterung, das ist heute sicher, war frei erfunden. In dem von ihm betriebenen Internet-Forum „Sturm 18“ tummeln sich derzeit rund hundert Neonazis aus dem Bundesgebiet und geben sich unverhohlen ihren rechtsextremen Hassfantasien hin. Auch zu Taten ist es schon gekommen: Im Juli wurde ein „Sturm 18“-Mitglied vor der Korbacher Moschee festgenommen, wie er gerade eine Flasche mit Spiritus anzünden wollte. Den Anschlag hatte er wenige Stunden zuvor im Internet angekündigt – während ein Kamerad von einer „Reichskristallnacht“ gegen Muslime träumte.

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