Die Polizei warnt

Enkeltrickbetrug massiv angestiegen | 3 Millionen Euro Schaden

Innenminister Joachim Herrmann beim Start der Kampagne | Foto: © StMi Bayern
Innenminister Joachim Herrmann beim Start der Kampagne | Foto: © StMi Bayern

Von Januar bis November 2012 sind die Enkeltrick-Betrugsfälle in Bayern um 370 Prozent auf 1.618 Straftaten massiv angestiegen. Die Opfer wurden um über drei Millionen Euro geprellt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nimmt diese Entwicklung sehr ernst und hat gestern in München vor dieser heimtückischen Betrugsmasche gewarnt: “Skrupellose Kriminelle haben die Ersparnisse unserer Seniorinnen und Senioren im Visier und nutzen schamlos deren Hilfsbereitschaft aus.”
Der Innenminister versicherte, dass die Bayerische Polizei alles daran setzt, die Täter zu fassen. Herrmann appellierte an alle Senioren, bei verdächtigen Anrufen über die Notrufnummer ‘110’ sofort die Polizei zu verständigen. “Wir bitten aber auch die Angehörigen, sehr wachsam zu sein und die älteren Familienmitglieder gebührend zu sensibilisieren.” Herrmann ist daher der Münchner Polizei für die gestartete Aufklärungskampagne sehr dankbar.

Beim sogenannten “Enkeltrickbetrug” suchen die Täter ganz gezielt in Telefonbüchern nach älter klingenden Vornamen und rufen dann ihre potenziellen Opfer an. Unter Vortäuschung einer aktuellen Notlage oder einer günstigen Gelegenheit zum Auto- beziehungsweise Immobilienkauf bittet der Anrufer zumeist um Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände. Gleichzeitig sichert er eine kurzfristige Rückzahlung zu. Außerdem bittet der Täter um absolute Verschwiegenheit. Das Geld wird anschließend von einer anderen Person abgeholt. Bis dahin werden die Geschädigten teilweise noch mehrmals angerufen, um den Druck noch weiter zu erhöhen.
“Das Vorgehen der Täter ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten”, fasste Herrmann zusammen. Ein besonderes Problem sei derzeit die fehlende Pflicht der Netzbetreiber, Verbindungsdaten zu speichern, so Herrmann weiter. Mit Nachdruck forderte der Innenminister daher den Bund auf, hier endlich eine praktikable Regelung zur Vorratsdatenspeicherung zu schaffen.

Die Bayerische Polizei schärft mit umfangreichen Präventionsmaßnahmen die Aufmerksamkeit von möglichen Opfern. Dazu gehören diverse Informationsmaterialien, Warnaufrufe über die Medien, Vorträge und persönliche Beratungsgespräche. Entsprechend bietet auch die aktuelle Aufklärungskampagne des Polizeipräsidiums München unter anderem speziell produzierte Fernsehspots, Infoscreen-Aufrufe für U- und S-Bahnhaltestellen sowie einen Informationsstand. Ergänzend wies Herrmann auf das umfangreiche Informationsangebot des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes unter www.polizei-beratung.de hin.

Besonders auch Bankangestellte sind für Herrmann eine wichtige Zielgruppe. Sie werden unternehmensintern sowie durch Vorträge der Polizei für den geschäftlichen Umgang mit Senioren gezielt beschult. “Damit gelang es uns schon mehrfach, die Übergabe hoher Bargeldbeträge an Kriminelle zu verhindern”, so der Innenminister. “Und Dank des besonnenen Einschreitens von Bankmitarbeitern konnten wir schon einige Enkeltrick-Betrüger dingfest machen.”

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  • Stellen Sie dem Anrufer gezielt Fragen nach seinem familiären Umfeld, z.B. nach dem Namen der Mutter oder dem Wohnort und bestehen Sie auf die Beantwortung.
  • Halten Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen bei Familienangehörigen Rücksprache.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen – auch nicht, wenn sie angeblich im Auftrag von Verwandten/Bekannten handeln.
  • Informieren Sie unter der Notrufnummer 110 sofort die Polizei, wenn Ihnen eine Kontaktaufnahme verdächtig vorkommt.
  • Ändern Sie Ihren Eintrag im Telefonbuch, indem Sie Ihren Vornamen abkürzen. Damit entziehen Sie den Tätern die Grundlage, auf Sie aufmerksam zu werden.

Quelle: StMi Bayern

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