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VATERSTETTEN (Bayern) – Die spektakuläre Selbstmorddrohung eines Lastwagenfahrers an der Autobahn-Raststätte Vaterstetten ist am Mittwoch unblutig zu Ende gegangen. Der 31-Jährige hatte damit gedroht, im Führerhaus seines Sattelzuges an der Münchner Autobahn- Ostumfahrung A99 eine Handgranate zu zünden. Nach drei Stunden wurde der Fahrer einer Münsterländer Spedition von Spezialeinsatzkräften der Polizei überwältigt. Den ersten Ermittlungen zufolge sind berufliche Probleme das Motiv für seine Tat, wie die Beamten mitteilten.
Erst gegen 12.00 Uhr beendeten die Polizisten den Spuk, der um 9.00 Uhr auf dem Parkplatz der Raststätte an der A99 Richtung Salzburg begonnen hatte. Zugleich enttarnten sie auch den Bluff des Fahrers. „Unter der Decke, wo wir die Handgranate vermutet hatten, fanden wir nichts“, sagte Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt.

Die einzige Waffe, die der in Sibirien geborene Deutsche bei sich trug, war ein 30 Zentimeter langes Messer. Damit hatte sich der allem Anschein nach verzweifelte Mann schon morgens selber am Arm verletzt. Er wurde nach der Tat in eine psychiatrische Klinik gebracht. Es bestehe weiterhin Selbstmordgefahr, erläuterte Kammerer.

Nach Polizeiangaben klagte der Mann über Probleme mit seinem Führerschein und bekam daher Angst um seinen Job. Mit seiner Fracht war er auf dem Weg nach Italien in gehörigen Zeitverzug geraten. Seine Spedition reagierte verwundert und ortete den Lastwagen per GPS auf dem Parkplatz der Raststätte. Der Fahrer hatte dort die Nacht verbracht.

Ein Ersatzfahrer machte sich am Mittwochmorgen auf den Weg in den oberbayerischen Landkreis Ebersberg – knapp 20 Kilometer östlich von München. Im blauen Sattelzug der Spedition entdeckte er den 31- Jährigen, der aber die Tür partout nicht öffnen wollte. Dann eskalierte die Situation: Der Ersatzfahrer rief die Polizei, sein Kollege holte sein Messer heraus, verwundete sich selber und drohte mit der Handgranate.

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„Recht schnell gelang es einem Polizisten, die Beifahrertür des Wagens zu öffnen“, erklärte Kammerer den Verlauf der dramatischen Stunden. Der Beamte der Autobahnpolizei stellte gegen 9.00 Uhr Gasgeruch fest und forderte Verstärkung an, ließ aber den Kontakt zu dem Mann nicht abreißen. „Er war innerhalb der drei Stunden in einem ständigen Dialog mit dem Fahrer. Er hat ihn ständig beschäftigt. Das wirkte deeskalierend“, meinte Kammerer.

Dennoch entschied sich die Polizei für einen Zugriff. „Wir haben die Gesamtsituation so beurteilt, dass das die beste Lösung ist“, sagte Kammerer. Die Überraschungsattacke glückte, der Fahrer wurde überwältigt. Im Wagen stellten die Beamten eine Gaskartusche sicher. Die Raststätte Vaterstetten war während des Polizeieinsatzes großräumig abgesperrt. An dem Einsatz waren Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Helfer von Rettungsdiensten sowie Polizei- Sondereinsatzkräfte beteiligt – zusammen an die 50 Menschen.