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Berlin | Am gestrigen Mittwoch übte die Polizei Berlin die Tatort- und Ermittlungsarbeit nach einem fiktiven terroristischen Anschlag. In der Polizeidirektion 2 wurde auf einer Fläche von rund 500 qm eine Anschlagsszene nachgestellt, wie sie ähnlich in Paris Anfang des Jahres tatsächlich statt fand, als Attentäter mit Maschinengewehren auf Zivilisten schossen.

Bei dem ausgedachten Anschlagsszenario in Berlin, haben zwei bewaffnete Attentäter Passanten auf einer Straßenkreuzung attackiert. Dabei wurden insgesamt drei Zivilisten, zwei Polizisten sowie die beiden Attentäter getötet. Die fiktiven Täter setzten Sturmgewehre und Handgranaten ein. Mehr als 200 Schuss wurden abgefeurt, so wie zwei Handgranaten gezündet. Damit die Übung realitätsnah geprobt werden konnte, kümmerte sich die Bundeswehr im Vorfeld um die Zündung der Granaten. Auch die Fahrzeuge an der fiktiven Kreuzung wurden mit echten Projektilen „durchsiebt“.

Die Polizei Berlin übte am 16.09.2015 in Berlin-Spandau die kriminalpolizeiliche Tatort- und Ermittlungsarbeit bei einem terroristischen Anschlagsszenario. | Foto: +1175+6048391+ © Tomas Moll
Die Polizei Berlin übte am 16.09.2015 in Berlin-Spandau die kriminalpolizeiliche Tatort- und Ermittlungsarbeit bei einem terroristischen Anschlagsszenario. | Foto: +1175+6048391+ © Tomas Moll

Die Übung fing zu dem Zeitpunkt an, als der Tatort bereits abgesperrt und gesichert war. „Wir haben unmittelbar mit der Tatortarbeit begonnen, u.a. mit der kriminaltechnischen Feststellung und Sicherung aller möglichen Sachspuren sowie der Leichenbergung„, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.

Nach einem solchen Anschlag geht es vorallem darum, sämtliche Spuren gerichtsverwertbar zu sichern, schnell auszuwerten und ggf. Hinweise auf weitere Täter oder Anschlagspläne zu finden. Die Experten der Spurensicherung müssen dabei äußerst vorsichtig vorgehen, damit Spuren nicht zerstört oder mögliche weitere Sprengsätze nicht gezündet werden. Insgesamt nahmen rund 180 Polizistinnen und Polizisten der verschiedenen Bereichen aus dem Kompetenzzentrum Kriminaltechnik (LKA KT) der Polizei Berlin an der Übung teil. Zum Einsatz kamen u. a. Experten aus dem Bereich:

LKA KT 6 | Umwelt – und Explosivstoffe, die mit ihren USBV-Ermittlern speziell für Unkonventionelle Spreng und Brandvorrichtungen ausgebildet sind.

LKA KT 3 | Klassische Kriminaltechnik, die sich z. B. mit der Untersuchung von tragbaren Schusswaffen befasst.

LKA KT 1 | Tatorterkennungsdienst, der sich mit seinen fünf Kommissariaten in die Funktionsbereiche Spurensicherungsgruppe / Tatortdaktyloskopie, Tatort- / Studiofotografie und forensische Vermessung / Grafik sowie digitale Bildbearbeitung / Digitaldruck gliedert.

Die Polizei Berlin übte am 16.09.2015 in Berlin-Spandau die kriminalpolizeiliche Tatort- und Ermittlungsarbeit bei einem terroristischen Anschlagsszenario. | Foto: +1127+6048391+ © Tomas Moll
Die Polizei Berlin übte am 16.09.2015 in Berlin-Spandau die kriminalpolizeiliche Tatort- und Ermittlungsarbeit bei einem terroristischen Anschlagsszenario. | Foto: +1127+6048391+ © Tomas Moll

In kleinen Gruppen arbeiteten sich die Experten durch die Spuren. Jedes noch so kleine Detail durfte nicht übersehen und vergessen werden. So wurden u. a. Patronenhülsen, Magazine und Waffen sichergestellt, Schmauchspuren an den Händen der Täter gesichert und jeder Hinweis aufgenommen. Im Anschluss werden diese im Labor untersucht.

Berlins Innensenator Frank Henkel ließ sich die Arbeit erklären | Foto: © Tomas Moll
Berlins Innensenator Frank Henkel ließ sich die Arbeit erklären | Foto: © Tomas Moll

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), der die Übung der Polizei verfolgte, sprach im Interview von einem „weiterhin abstrakt hohen Anschlagsrisiko“ in der Berliner Hauptstadt. Konkrete Hinweise auf geplante Attentate lägen den Behörden bislang aber nicht vor.

Das Ergebins der Übung wird nun ausgewertet.