Symbolfoto | © Tim Schaarschmidt
Symbolfoto | © Tim Schaarschmidt

Im Zusammenhang damit kam es am 18. Juli zu insgesamt 38 Durchsuchungen in mehreren Bundesländern. Werner berichtete, dass das Ermittlungsverfahren ein Nebenprodukt aus der Beobachtung der regionalen Rockerszene – vor allem im Bereich Wolfsburg-Helmstedt – sei. Im Zuge der Überwachung der Szene seien die Ermittler auf Hinweise auf illegalen Handel mit Anabolika und Betäubungsmitteln gestoßen.

Die Erkenntnisse führten schließlich zum Erlass von zwei Haftbefehlen gegen den 30-jährigen Geschäftsführer der Diskothek aus Wolfsburg und dem eigentlichen Betreiber der Diskothek, einem 47-jährigen Geschäftsmann aus Ingolstadt, sowie zu 25 Durchsuchungsbeschlüssen bei Mittätern und Abnehmern.

In den frühen Morgenstunden des 18.07.2012 wurde der Geschäftsführer einer Wolfsburger Diskothek beim Versuch eines Verkaufs von 50 Gramm Kokain festgenommen. Dieser Zugriff war Auslöser von dann schlagartig vorgenommenen 38 Durchsuchungen von Wohnungen und Geschäftsräumen in Braunschweig, Wolfsburg, Wolfenbüttel und im Landkreis Gifhorn sowie in den Bundesländern, Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Beteiligt waren insgesamt 297 Beamtinnen und Beamte, darunter zwei Staatsanwältinnen, Steuerfahndung und Zoll sowie Spezialeinsatzkräfte wie SEK und speziell ausgebildete Beamtinnen und Beamte der Bereitschaftspolizei. Bei einer Durchsuchung verletzte sich ein Betroffener durch einen Flucht-Sprung aus dem Fenster. Er befindet sich zurzeit in stationärer Behandlung.

Im Zusammenhang mit dem versuchten Verkauf von 50 Gramm Kokain wurde ferner ein 32jähriger Beschuldigter vorläufig festgenommen. Gegen ihn wurde zwischenzeitlich ebenfalls ein Haftbefehl erlassen.

Bei den Durchsuchungen wurden nach dem derzeitigen Erkenntnisstand sichergestellt bzw. beschlagnahmt:

  • 1,3 Millionen Euro Bargeld, davon allein mindestens 850.000 EUR bei dem Betreiber der Wolfsburger Diskothek in Arach, Bayern
  • umfangreiche Anabolikapräparate in Tabletten- und Ampullenform
  • 352.000 unverzollte Zigaretten (Magdeburg))
  • ca. 1.000 Liter Dieselkraftstoff (Magdeburg), vermutlich aus Dieseldiebstählen
  • weiteres Diebesgut/Hehlerware (Magdeburg)
  • zwei PKW (Mercedes und Audi)
  • ein Motorrad Harley-Davidson
  • zwei hochwertige Markenuhren
  • Bestelllisten für verbotene Anabolika sowie umfangreiche Geschäftsunterlagen

Ferner kam es zu sechs Kontopfändungen im Rahmen der Vermögensabschöpfung.

Werner und Schoreit wiesen darauf hin, dass die weitere Erfassung und Auswertung der sichergestellten Gegenstände und Unterlagen noch andauere und noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

In der Diskothek in Wolfsburg fanden die Ermittler

  •    55.000 Tabletten und 2410 Ampullen

Allein diese Menge überschreitet die so genannten „nicht geringen Menge“, ab der von einem strafbaren Handel auszugehen ist, um das 183-fache bzw. 16-fache. Insgesamt dürften, so der Kriminaldirektor, elf vergleichbare Lieferungen bewiesen werden können.

Aufgrund der Menge der sichergestellten Anabolika und Geschäftsunterlagen gehen Staatsanwaltschaft und Polizei davon aus, dass die Diskothek im Stadtgebiet Wolfsburg eine bedeutende Rolle für die Versorgung so genannter Kraftsportler in der Region wahrgenommen hat. Diese Lieferwege dürften nunmehr zerschlagen sein. Neben dem illegalen Handel mit Betäubungsmitteln wurden mit den illegalen Handel mit Anabolika durchaus vergleichbare Gewinne erzielt

Die sichergestellten Anabolika stammen aus dem Ausland und gelangten über weitere Beteiligte nach Wolfsburg. Werner wies auf die besondere Gesundheitsgefahr durch Einnahme dieser Mittel hin, da weder die Inhaltsstoffe noch die Herstellungsbedingungen entsprechenden pharmakologischen Standards entsprächen. Gesundheitsgefährdende Wirkungen durch Überdosierung sowie nicht kalkulierbare Nebenwirkungen seien zu befürchten.

Bei den Ermittlungen wurde auch deutlich, dass die Wolfsburger Diskothek regelmäßig von den Mitgliedern der Hells Angels sowie der Red Devils aufgesucht wurde und diese dort erhebliche Privilegien genossen (z. B. freier Eintritt, freier Konsum alkoholischer Getränke). Offensichtlich resultiert diese Vorzugsbehandlung aus einer aus Sicht der Polizei sehr engen Verbindung des Geschäftsmannes aus Ingolstadt zu den Hells Angels in Hannover. Deshalb durchsuchte die Polizei auch den Treffpunkt der Rocker „other place“ in Wolfsburg.

Staatsanwältin Schoreit unterstrich abschließend, dass die Beschuldigten mit hohen Freiheitsstrafen zu rechnen haben. Die Staatsanwaltschaft setze alles daran, die kriminellen Gewinne abzuschöpfen. Die Voraussetzungen dafür seien gut. Sie hob die hervorragende Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaft Braunschweig mit der Zentralen Kriminalinspektion hervor. Es sei ein empfindlicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen.

Quelle: ots / Polizei Braunschweig