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Frauen bei der Ulmer Schutzpolizei – schon lange angekommen

Polizeihauptmeisterin Sandra Glaser | Foto: © Polizei Ulm
Polizeihauptmeisterin Sandra Glaser | Foto: © Polizei Ulm

In den Gemeinden des Alb-Donau-Kreises oder der Stadt Ulm hat man sich längst an den Anblick von Schutzpolizistinnen gewöhnt. Wenn auch die „Frauenquote“ der Polizeidirektion Ulm im Vergleich zu den anderen Polizeidirektionen in Baden-Württemberg noch recht niedrig ist: Gerade mal neun Prozent beträgt der Anteil der Beamtinnen bei der Schutzpolizei und der Kriminalpolizei. Doch der Leiter der Polizeidirektion Ulm, Karl-Heinz Keller, ist zuversichtlich, dass sich dies in den nächsten Jahren ändert. Er erhofft sich auch, dass dann die Beamtinnen in allen Bereichen, die die Polizeidirektion zu bieten hat, ankommen. „Derzeit gibt es bei der Polizeidirektion noch einige Bereiche, wo keine Polizeibeamtin Dienst verrichtet. Und dies nicht aufgrund ihres Geschlechtes oder Qualifikation, sondern weil es einfach zu wenige Beamtinnen bei uns gibt“, so Keller.

Die meisten Frauen in Uniform trifft man bei der Polizeidirektion Ulm im Streifendienst an, so auch Sandra Glaser. Die Beamtin mit den langen blonden Haaren ist nach ihrer Ausbildung zum Polizeirevier Ulm-West gekommen. Dies war im Jahr 2000, als eine der ersten Beamtinnen der Schutzpolizei. Bis vor wenigen Monaten war sie in der Dienstgruppe als Frau alleine unter Männern, seit Oktober sind sie zu zweit.

Glaser fühlt sich bei ihren Schichtkollegen angenommen. „Wir sind ein Team, egal ob Mann oder Frau“, sagt die Polizeihauptmeisterin. „Wir arbeiten zusammen und unterstützen uns gegenseitig.“ Der Streifendienst der Polizeireviere ist rund um die Uhr besetzt. Daher arbeiten die Beamtinnen und Beamten im Schichtdienst. Dies kommt ihr sehr entgegen. „Ich habe dadurch die Möglichkeit Familie und Beruf besser zu vereinbaren“, so die 34-Jährige. Die Vielfalt und das breite Aufgabenspektrum reizen Glaser auch nach 16 Berufsjahren noch immer. „Im Streifendienst weiß man vorab nie, was auf einen zukommt. Man muss schon für Vieles gewappnet sein, aber genau dies ist ja das Besondere an dem Polizeiberuf.“

In der Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Ulm ist Manuela Haller beschäftigt. Die Polizeioberkommissarin war unter den ersten 60 Beamtinnen, die im Herbst 1987 bei der Bereitschaftspolizei in Baden-Württemberg ihren Dienst antraten. Nach dem Studium an der Hochschule für Polizei und verschiedenen Stationen in der beruflichen Laufbahn steuert sie jetzt bei der Pressestelle die Öffentlichkeitsarbeit nach „innen“, also der Informationen für die Kolleginnen und Kollegen, fertigt aber auch Pressemitteilungen.

Die 42-Jährige unterstützt auch den Einstellungsberater der Polizeidirektion Ulm. „Ich suche gerne den Kontakt zu den jungen Leuten, etwa bei den Berufsmessen. Das Interesse am Polizeiberuf ist ungebrochen, was uns natürlich sehr freut. Vor allem streben auch viele junge Mädchen die Ausbildung zur Polizistin an“, so Haller weiter. Die jungen Interessenten kämen schon gepackt mit Informationen aus dem Internet und wollten dann gezielte Auskunft. Egal ob Junge oder Mädchen, Haller vertritt in den Gesprächen die Meinung, dass der Beruf des Polizisten nicht nur ein Job, sondern Berufung ist. Durch das große Spektrum des Polizeiberufes seien auch die mit den Jahren gesammelten Eindrücke sehr vielfältig. Hinzu kämen unregelmäßige Arbeitszeiten, die sich auf die Familie, den Bekanntenkreis und die Freizeitgestaltung auswirken. Dies alles richtig einzuordnen sei nur dem möglich, der den Beruf als Lebensaufgabe sieht.

Auch Haller ist sich sicher, dass sie die richtige Berufswahl getroffen hat. „Nach all den Jahren und Erfahrungen würde ich es wieder so machen“, sagt sie. Natürlich sei es gerade am Anfang nicht einfach gewesen, unter eine der ersten Beamtinnen zu sein. Bei jeder Polizeidienststelle, zu der sie im Laufe der Ausbildung und im Anschluss kam, habe sie eine Vorreiterrolle eingenommen. Für die Frauen sei dies nicht einfach, wollten sie doch keinen Sonderstatus einnehmen. Es sei auch durchaus nachvollziehbar gewesen, da es für die männlichen Kollegen eine Umstellung war, den „Männerberuf“ mit Frauen zu teilen. Nach den vielen Berufsjahren habe sich heute alles relativiert. Der Frauenanteil wurde mit den Jahren größer, und mit den jungen Kollegen, die dies schon in der Ausbildung erlebten, hat es sich normalisiert.

Neu ist allerdings für die Beamten und Beamtinnen des Polizeireviers Ehingen, dass sie eine Frau als Chefin haben. Seit September leitet Sonja Bohlien das Polizeirevier in Ehingen. Sie ist damit die erste Frau bei der Polizeidirektion Ulm auf der obersten Führungsebene. Keller, als Leiter der Polizeidirektion Ulm ihr Chef, freut sich, endlich auch eine Frau in einer derartigen Führungsposition zu haben. „Nicht nur bei Besprechungen ist es von Vorteil, auch eine Frau dabei zu haben. Frauen bringen oft andere Ansichten mit ein, an die Männer nicht denken. Die andere Denkstruktur ist ein Gewinn.“ Er wolle damit aber nicht sagen, dass Frauen komplizierter sind, fügt er mit Nachdruck hinzu.

Bohlien begann ihre Ausbildung 1993 bei der Bereitschaftspolizei in Biberach. Im Jahr 2000 wechselte sie zur Ulmer Kriminalpolizei, wo sie nach ihrem Studium für den gehobenen Dienst weiter Dienst verrichtete. Dem Wechsel ins Innenministerium Baden-Württemberg und weiteren Verwendungen im Polizeidienst, fügte sie ein Studium an der Deutschen Hochschule für Polizei in Münster-Hiltrup an. Nach dem Abschluss und zwei Jahren bei der Reutlinger Kriminalpolizei übernahm sie nun die Stelle der Revierführerin. „Für mich ist es ein Heimkommen, in dienstlicher wie in privater Hinsicht“, so Bohlien.

Nach drei Monaten in Ehingen hatte die Kriminalrätin schon viele Kontakte geknüpft. Und die Tatsache, dass in Ehingen eine Chefin das Revier leitet, ist schon fast Normalität. Bohlien dazu: „Für mich ist dies ohnehin nichts Besonderes. Ich habe als Frau diesen Beruf gewählt und übe ihn auch schon viele Jahre aus.“

Quelle: Polizeidirektion Ulm

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